Naturkosmetik: „So viele natürliche Inhaltsstoffe wie möglich!“

Gernot Zechmeister/ Februar 10, 2020/ Blog/ 0Kommentare

Naturkosmetik: „So viele natürliche Inhaltsstoffe wie möglich!“

„Die Haut ist der Spiegel der Seele“ lautet ein bekanntes Sprichwort. Und genauso wichtig wie gute und ausreichende Pflege unserer Seele ist auch die Behandlung unserer Haut. Dafür gibt es heute mehr Produkte zur Auswahl als je zuvor und wir greifen gerne zur schönsten und ansprechendsten Tube im Regal. Dabei ist uns gar nicht bewusst, wie schlecht unschädlich viele konventionelle Kosmetikprodukte für uns, unsere Haut und damit für unsere Gesundheit sind.

Doch auch bei vielen Bio- und/oder Naturkosmetik Produkten ist Vorsicht angebracht. Denn Bio- und Naturkosmetika sind innerhalb der EU keine geschützten Produktbezeichnungen.

Das bedeutet, dass sich eigentlich jeder ein Bio-Zertifikat basteln kann und jedes Kosmetikprodukt damit auch „zertifizieren“ bzw. kennzeichnen darf/kann.

Uns bei BioBloom ist es deshalb besonders wichtig, unsere Naturkosmetik „Into the Wild“ ausschließlich mit der Bio-Zertifizierung nach ABG Standards (offizielle Bio Kontrollstelle für Lebensmittel) zertifizieren zu lassen. Das garantiert unseren Kunden und Kundinnen wirkliche natürliche Qualität nach höchsten Bio Vorgaben.

Wie wichtig hochwertige und natürliche Inhaltsstoffe für unsere Haut sind, hat uns Naturkosmetikexpertin Sabine Morauf – sie war auch für die Produktentwicklung der „Into the Wild“-Produkte mitverantwortlich – freundlicherweise sehr ausführlich erklärt:

Sabine Morauf produziert nur offiziell biozertifizierte Naturkosmetik.

BioBloom: Was darf denn eine gute Bio-Kosmetikcreme auf keinen Fall beinhalten?

Absolut tabu sind Mineral- und Silikonöle, PEG-Derivate, Weichmacher (Phtalate), Mikroplastik und Nanopartikel, um nur einige zu nennen. Auch Inhaltsstoffe, die an Tieren getestet wurden oder von toten Wirbeltieren stammen (z.B. tierisches Collagen), sind verboten.

BB: Gibt es gängige Inhaltsstoffe in normaler konventioneller Kosmetik, die deiner Meinung nach gesundheitsgefährdend sind bzw. wirklich problematisch für die Haut bei regelmäßiger Anwendung?

Die Liste der bedenklichen Inhaltsstoffe in konventioneller Kosmetik ist leider lang. Besonders problematisch sind meiner Meinung nach

– EDTA (Sodium-/Disodium-/Tetrasodium-EDTA), in der INCI-Liste u.a. auch alsEthylene-Diamino-Tetra-Acetate bezeichnet
– Parabene (Methyl-, Ethyl-, Butyl-, Propyl-Paraben, etc.)
– PEG und PEG-Derivate
– Acrylate (Mikro- bzw. Flüssig-Plastik)
– Sulfate, z.B. Sodium Lauryl Sulfate
– MOSH (Gesättigte Mineralöl-Kohlenwasserstoffe) und MOAH (Aromatische Mineralöl-Kohlenwasserstoffe)

BioBloom: Was passiert denn mit und in der Haut, wenn man Kosmetika mit den oben genannten problematischen Inhaltsstoffen regelmäßig verwendet?

Parabene sind wahrscheinlich die am häufigsten kritisierten Inhaltsstoffe in Kosmetika, besonders wenn sie in Verbindung mit anderen Chemikalien wie EDTA eingesetzt werden. Sie stehen im Verdacht, das Hormonsystem zu beeinflussen, was besonders für schwangere und stillende Frauen, Kleinkinder und Jugendliche in der Pubertät gefährlich ist.

PEG und PEG-Derivate wiederum können die Haut durchlässiger machen. Dadurch verliert sie ihre wichtige Schutzfunktion und es können Schadstoffe in tiefere Hautschichten vordringen. In Kombination z.B. mit den vorhin genannten Parabenen kann sich das sehr negativ auf die Hautgesundheit auswirken. Außerdem werden PEGs hauptsächlich aus Erdöl hergestellt und sind daher nicht nur im Körper, sondern auch in der Umwelt schwer bis gar nicht abbaubar.

Auf Erdöl basieren aber auch Silikonöle (Dimethicone, Cyclomethicone etc.) und Paraffine, die Bestandteile fast aller konventionellen Kosmetikprodukte sind. Es handelt sich dabei um Neutralöle, sie haben keinen Pflegewert für die Haut und dienen überwiegend der Haptik und als Filmbildner. Gerade dieser „Erdölfilm“ auf der Haut ist aber insofern problematisch, als er die Haut versiegelt und diese darunter regelrecht erstickt. Da kein Austausch mit der Umgebung stattfinden kann, stellt die Haut so wichtige Funktionen wie die Feuchtigkeitsproduktion weitgehend ein, was dazu führt, dass sie nach und nach immer mehr austrocknet. Die Mineralöle schließen aber auch Unreinheiten ein, die Haut hat aufgrund der verstopften Poren keine Chance, sich selbst zu reinigen, was zu Akne und Entzündungen führen kann.

Ein weiterer sehr bedenklicher, aber in konventioneller Kosmetik als Stabilisator häufig vorzufindender Rohstoff ist EDTA (Ethylene-Diamino-Tetra-Acetate). Es ist sehr „bindungsfreudig“, geht also sehr leicht Verbindungen mit anderen Stoffen ein und kann dazu beitragen, dass diese miteinander reagieren, obwohl sie das unter normalen Umständen nicht tun würden. EDTA steht auch im Verdacht, die Hautbarriere passieren und Substanzen wie ein „Taxi“ in den Körper transportieren zu können – besonders fatal, wennes mit PEG-Derivaten und Parabenen kombiniert wird.

Problematisch sind auch phosphathaltige Tenside und Emulgatoren: sie sind in der Umwelt schwer abbaubar, trocknen die Haut aus und gelten als hautreizend und allergieauslösend.

BioBloom: Worauf sollte man als Konsument/in bei der Angabe der Inhaltsstoffe besonders achtgeben?

In erster Linie sollte das Produkt einen hohen Anteil an natürlichen Rohstoffen enthalten. Erkennbar ist das an der Reihenfolge der Rohstoffe, die je nach Einsatzkonzentration absteigend angegeben sein muss. Die Inhaltsstoffe, die in hohen Anteilen enthalten sind, stehen also ganz oben in der Liste, während geringer konzentrierte weit unten zu finden sind. Bio-Rohstoffe sind dabei meist durch ein * und eine entsprechende Fußzeile (*aus kontrollierter Bioproduktion) gekennzeichnet.

Natürlich sollte man auch darauf achten, dass keine schädlichen Inhaltsstoffe enthalten sind. Man erkennt diese z.B. an folgenden Bezeichnungen (die Liste stellt nur einen kleinen Auszug dar):

  • Endung auf …parabene
  • PEG- bzw. Polyethylene…
  • Endung auf …methicone
  • Sulphate, Phosphate, Petrolatum, Paraffinum und Acrylate in allen Varianten und Kombinationen
  • EDTA (Ethylene-Diamino-Tetra-Acetate)
  •  Phenoxyethanol
  • Cocoamide-DEA

Zertifizierte Natur- und Biokosmetik darf diese Stoffe nicht enthalten, deshalb sollte man immer auf ein anerkanntes Siegel achten.

BioBloom: Was zeichnet ein gutes Naturkosmetik-Produkt aus?

Ich würde sagen: die Summe aller hier besprochenen Punkte. Aber es gilt vor allem: so viele natürliche Inhaltsstoffe wie möglich!

Dabei sollte man bedenken, dass selbst eine biokosmetische Creme nicht ohne Emulgatoren und Konservierungsstoffe auskommt. Anders als in konventioneller Kosmetik werden in guter Naturkosmetik aber Hilfsstoffe eingesetzt, die nicht nur der Creme an sich dienen, sondern auch eine positive Wirkung auf die Haut haben. Beispielsweise kann die Konservierung mit pflanzlichen Extrakten erfolgen, die auch Feuchtigkeit spendend wirke. Emulgatoren aus Pflanzenölen haben zusätzlich pflegende und glättende Eigenschaften.

BioBloom: Welchen Bio-Siegeln kann man vertrauen?

Diese Frage ist für mich einfach zu beantworten: ich vertraue nur der Austria Bio Garantie (ABG, AT-BIO-301), da sie nach dem einzigen Standard zertifiziert, der auf dem Österreichischen Lebensmittel-Codex basiert, und an dessen Entwicklung sie maßgeblich beteiligt war. Es handelt sich dabei also nicht um ein rein privates Label, und die Anforderungen an Rohstoffe und Rezepturen sind höher als bei allen anderen gängigen Standards.

Anders verhält es sich bei den großen, weltweit gültigen Siegeln. Dabei handelt es sich um Industrie-Standards, gemacht von Konzernen für Konzerne, weil diese natürlich vom Biokosmetik-Trend profitieren möchten. Es sind zwar auch hier gewisse Mindest-Bio-Anteile gefordert und es gelten ähnliche Verbote von bedenklichen Stoffen, aber die Anforderungen an Herstellungsmethoden von Rohstoffen sind viel geringer.

Grundsätzlich sind Produkte mit allen Bio-Labels konventioneller Kosmetik vorzuziehen, aber nur der Österreichische Standard garantiert wirklich einwandfreie, bis ins kleinste Detail überprüfte Qualität.

BB: Muss man bei echten, hochwertigen Natur-Bio-Kosmetikprodukten gewisse „Mängel“ in Kauf nehmen, z.B. bei Geruch, Haltbarkeit, Konsistenz?

Hinsichtlich Textur und Haptik stehen biokosmetische Produkte ihren konventionellen „Konkurrenten“ mittlerweile kaum noch nach, und dank effizienter natürlicher Konservierungsstoffe stellt auch eine akzeptable Mindesthaltbarkeitsdauer kein Problem dar.

Eine Herausforderung kann der Duft darstellen, denn die in Biokosmetik verwendeten Öle und Extrakte müssen naturbelassen sein und dürfen nicht chemisch behandelt werden, um den Geruch, den sie naturgemäß mitbringen, zu eliminieren. Möchte man zudem der besseren Hautverträglichkeit zuliebe auf Duftstoffe wie ätherische Öle verzichten, kann es durchaus vorkommen, dass man sich an den Geruch der Bio-Creme erst einmal gewöhnen muss. Auch eine strahlend weiße Creme ist biokosmetisch kaum möglich, da die natürlichen Rohstoffe aufgrund der enthaltenen Pflanzenfarbstoffe meist eine recht dunkle Färbung aufweisen. Man könnte natürlich – wie in konventioneller Kosmetik üblich – auch in biokosmetischen Produkten ausschließlich neutrale Öle verwenden und Extrakte nur in sehr geringen Dosierungen einsetzen. Das ginge aber auf Kosten der Wirksamkeit – und das ist schließlich nicht im Interesse der Anwenderinnen und Anwender.

BB: Worauf sollen Menschen achten, wenn sie vorm Regal voller Naturkosmetikprodukte stehen?

Steht man vor so einem Regal gewinnt man den Eindruck, dass ohnehin alle Produkte biologisch sind, denn alle hängen sich gern das grüne Mäntelchen um und ringen mit großen BIO-Aufdrucken um Aufmerksamkeit.

Wenn man aber echte Biokosmetik kaufen will, darf man sich nicht von verlockenden Aussagen wie „mit Bio-Extrakten“ blenden lassen, denn was nützen die, wenn die restlichen Inhaltsstoffe der Creme nicht einwandfrei sind? Der Begriff „BIO“ ist leider nicht gesetzlich geschützt und darf sogar bei konventioneller Kosmetik verwendet werden, sobald auch nur ein kleiner Anteil an Bio-Rohstoffen enthalten ist.

Viele Konsumenten verlassen sich bei ihrer Kaufentscheidung auf Bewertungs-Apps wie Codecheck oder Kosmetikanalyse. Leider sind manche davon nicht zuverlässig, da sie nach der Verteilung von „guten“ und „schlechten“ Inhaltsstoffen urteilen. Da kann es vorkommen, dass ein Produkt als „sehr gut“ bewertet wird, weil viele empfehlenswerte Inhaltsstoffe enthalten sind – und das, obwohl auch äußerst Bedenkliches zum Einsatz kommt, wenn auch nur in geringen Mengen.

Deshalb sollte man immer nach einem anerkannten Bio-Siegel Ausschau halten, das auf den Packungen kontrollierter Bio-Produkte aufgedruckt sein muss. Denn ein Bio-Standard, wie jener der Austria Bio Garantie (ABG), übernimmt die Überprüfung von Rohstoffen und Rezepturen und bietet daher wirkliche Sicherheit beim Kosmetik-Kauf.

BioBloom: Danke für das wirklich informative und ausführliche Interview!

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